Unser Tag in Yad Vashem

Ein bisschen später als geplant sind wir mit einem öffentlichen Bus nach Jerusalem gefahren. Nach ein paar Staus haben wir das erste Mal den Checkpoint passiert. Das Gefühl, von einem Soldaten mit einer Waffe kontrolliert zu werden, war für uns eine aufregende Situation. Nun ging es weiter zur Bushaltestelle am Damaskus Gate in Jerusalem. Da wir ziemlich spät waren, konnten wir nicht unsere geplante Straßenbahntour machen. Mit vier Taxen ging es schnell weiter nach Yad Vashem. Pünktlich betreten wir um 10 Uhr die größte Shoa-Gedenkstätte. Sie verpflichtet sich auf vier Säulen der Erinnerung: Gedenke, Dokumentation, Forschung und Erziehung. Dies ist ein wichtiger Ort für alle Generationen und Nationen.

Der erste Blick fiel auf die vielen Soldatinnen und Soldaten, die hier zu Besuch sind. Nach der Schule - so erfahren wir später - ist die Wehrpflicht oder das Thora-Studium wählbar. Ein Besuch in Yad Vashem ist Pflicht für sie.

Nun wurden wir freundlich von unserem Guide, Aviva, empfangen. Sie führte uns durch das dreieckig gebaute Museum, welches komplett grau ist. Nach einem Gang über die Brücke standen wir anfangs vor der Leinwand "Landschaft der Lebenden". Diese zeigt Ausschnitte von Filmen, die vor dem Holocaust von Juden in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts gedreht wurden. Es zeigte uns ein ganz normales Leben. Durch abgegrenzte Laufwege, muss man nun um Zickzackkurs durch den Raum laufen. Wir wurden detailliert durch die Geschichten der Judenverfolgung geführt. Der Guide erzählte uns viele Geschichten von Zeitzeugen. Die Führung durch das Museum bewegte uns sehr und war informativ, zugleich jedoch sehr emotional. Am Ende der Führung zeigte Aviva uns die Synagoge auf dem Gelände. Die Synagoge ist für Juden sehr wichtig, da die Arbeitskräfte dort beten können und sie auch für den Wiederaufbau der Religion steht. Nach diesem Programm hatten wir eine leckere Pause und aßen etwas.

Nun kam es zum absoluten Höhepunkt des Tages. Wir hatten die Chance mit einem Holocaust-Überlebenden zu sprechen. Saul Oren, ein 88jähriger Mann, hat uns seine Geschichte von seiner Deportation nach kurzem Aufenthalt in Auschwitz erzählt. Auch von seinem Leben im Lager Sachsenhausen berichtete er. Zudem zeigt er uns sein hierzu publiziertes Buch und verkauft uns ein Exemplar, das er unserer Schule widmet. Seine Geschichte hat uns sehr stark bewegt, so dass jeder seine eigenen Gedanken verarbeiten musste. Zum Schluss ging ein Teil der Gruppe zu der Gedenkstätte der ermordeten Kinder. Ihre Namen in dem völlig dunklen und verspiegelten Raum zu hören, nach den vorhergehenden Erlebnissen ging jedem sehr nahe.

Wir verließen Yad Vashem nun mit Bus und Bahn und kamen gesund, aber sehr nachdenklich wieder in Ramallah an. Hier ließen wir den Abend ruhig ausklingen.

 

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