Unser Tag in Jerusalem

Heute ging es mal wieder viel zu früh los! Um Punkt 7:30 Uhr sollten wir am selben “Busbahnhof“ wie bereits gestern sein. Auch wenn sich die Auffassungen von Pünktlichkeit sowohl zwischen Deutschen und Palästinensern, als auch zwischen Frau Trauner und Herrn Achenbach stark unterscheiden, gelang es diesmal rechtzeitig, den Bus zu erreichen und in Richtung Jerusalem aufzubrechen.
Wir machten uns sofort auf den Weg in Richtung Al Aqsa, was uns zuerst durch das eigentlich sehr schöne, jedoch aufgrund seiner Lage schwer bewachte Damascus-Gate führte. Kaum war dieses passiert, betrat man eine andere Welt. Statt Wohnhäusern war nun jeder Raum von Händlern genutzt, die ihr knallbuntes Sortiment zur Schau stellten, welches wir im Verlauf des Tages noch näher kennen lernen sollten. Schon bald erhaschten wir an einem Aussichtspunkt den ersten Blick auf das Heiligtum der Juden, den letzten Rest ihres Tempels, die Western Wall.
Nun ging es weiter und wider Erwarten gab es beim Betreten des Al Aqsa Geländes keine Probleme oder längere Wartezeiten.
Nun, dem Ort mit langer Bekleidung für alle angepasst, ging es über eine Holzbrücke auf die Plattform mit den zwei Moscheen, vielen Gebetskanzeln und zahlreichen, mit Schlagstöcken, Tränengasgranaten und Sturmgewehren bewaffneten Soldaten.
Nach einer kurzen Rundführung über das Gelände in der "traunertypischer" Manier - mit vielen Daten und Fakten über die Geschichte des Tempelberges gespickt - hofften wir, uns zumindest eine der prächtigen Moscheen auch von Innen anschauen zu dürfen.
Leider ist der Zugang für Touristen seit Jahren aufgrund vonSicherheitsbedenken nur sehr schwer möglich.
Obwohl Frau Trauner unter Aufbringung ihrer gesamten Überzeugungskraft versuchte uns den Eintritt zu verschaffen, war dies leider nicht möglich. Immerhin waren die Wachmänner sehr sympathisch und haben nach Frau Trauners Bemühungen ihrerseits ein gutes Wort bei ihrem Chef für uns eingelegt und lesen vielleicht sogar diesen Text. 

 

Nun ging es etwas enttäuscht, aber auch mit Vorfreude und einem neuen Gruppenmitglied, Anna Liegezowska (ehemalige Overbacherin), zur Western Wall. Auf dem Platz vor der Mauer teilte sich unsere Gruppe in Männer und Frauen auf. Nach dem spontanen Versuch einer jüdischen Waschung (Frau Trauner hätte bestimmt gewusst, wie es richtig geht) und dem Anziehen der Kippa, ging es eine kleine Rampe herunter an die Western Wall. Hier fühlte man sich als Christ zwar zwischen lauter betenden Juden und Thoraverleihern definitiv Fehl am Platz, bewundernswert aber war der Anblick der Jahrtausende alten Stätte dennoch allemal. Einige nutzten die Zeit, persönliche Bitten zu formulieren und in die Klagemauer zu stecken - eben wie die Juden auch.
Nachdem das “Pflichtprogramm“ überstanden war, durften wir auf eigene Faust in Kleingruppen den Markt erkunden, die Tunnel unter der Wall besichtigen oder andere Sehenswürdigkeiten besichtigen.

Dieser Markt ist unter verschiedensten Aspekten unvorstellbar:

Er ist unvorstellbar groß. Nahezu die gesamte Altstadt ist, bis auf wenige religiöse Gebäude, ein einziger riesiger Markt. Fast jede Lücke wird genutzt, um Waren zu verkaufen.
Er ist unvorstellbar voll. Auf dem gesamten Gelände drängen Leute umher, es fahren E-Bike-Fahrer und Lieferanten mit Karren durch die schmalen Gassen von meist etwa zwei Metern Breite.
Es ist unvorstellbar multikulturell. In keiner anderen Stadt der Welt begegnen einem auf so engem Raum Muslime, Juden und Christen, geschweige denn so viele heilige Stätten und erst recht nicht so viel religiöse Ramschware.
Es ist unvorstellbar viel Sortiment verhanden. Von Handyhülle über Gewürze zu Küchengeräten wird hier alles angeboten!
Es ist unvorstellbar anders hier einzukaufen. Hier wird der Preis erst gemacht, nachdem der Händler weiß, woher man kommt. Als Tourist gilt hier in etwa die Faustregel maximal die Hälfte zu zahlen.
Das heißt auch eine für uns Deutsche eher unbekannte Erfahrung: Feilschen.
Nach stundenlangem Rumschlendern, einigen Einkäufen und weiteren religiösen Impressionen wie der Grabeskirche, endete der Tag in Jerusalem nun mit der Verabschiedung von Anna Liegezowska, die nach Tel Aviv zu ihren Friends (einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen) zurückkehrt. Wir hingegen fahren mit einem uralten Bus zurück nach Ramallah.

 

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